Das Schaetzen und Einordnen von Gegenstaenden nach Wert sind Faehigkeiten, die so alt sind wie der Handel selbst. Im sumerischen Mesopotamien, um 3000 v. Chr., verzeichneten Tontafeln aus Uruk bereits Preise fuer Gerste, Kupfer und Vieh und ermoeglichten es Haendlern, relative Werte zu vergleichen. Im antiken Griechenland unterschied Aristoteles in der Nikomachischen Ethik (ca. 350 v. Chr.) zwischen "Gebrauchswert" und "Tauschwert" und legte damit den Grundstein fuer das Nachdenken ueber Preishierarchien. Roemische Haendler stuetzten sich auf Diokletians Hoechstpreisedikt (301 n. Chr.), ein Dekret, das Preisobergrenzen fuer ueber 1.200 Produkte und Dienstleistungen festlegte — der erste bekannte Preiskatalog der Geschichte.
Im Mittelalter wurden die Messen der Champagne (12.–13. Jahrhundert) zum Zentrum des europaeischen Handels, wo Kaufleute aus ganz Europa die relativen Preise von Hunderten von Waren — flaemische Tuche, orientalische Gewuerze, italienische Seide — in Dutzenden verschiedener Waehrungen beherrschen mussten. Der Mathematiker Fibonacci lehrte in seinem Liber Abaci (1202) genau diese Umrechnungen und Preisvergleiche und gab den Kaufleuten von Pisa arithmetische Werkzeuge an die Hand, um Handelswerte einzuordnen.
Das Preisranking-Spiel gelangte durch das amerikanische Fernsehen in die Populaerkultur. Am 26. November 1956 moderierte Bob Barker zum ersten Mal The Price Is Right bei NBC, entwickelt von Mark Goodson und Bill Todman. Die Sendung, in der Kandidaten Preise schaetzen und ordnen mussten, wurde zur am laengsten laufenden Gameshow in der Geschichte des amerikanischen Fernsehens mit ueber 9.000 Folgen bei CBS seit 1972. In Deutschland wurde Der Preis ist heiss (1989–1997), moderiert von Walter Freiwald, zum Publikumsliebling und machte Preisschaetzungsspiele im deutschsprachigen Raum populaer.
Das Ordnen von Elementen ist auch ein grundlegendes Problem der Informatik. John von Neumann entwarf 1945 den Mergesort fuer das EDVAC-Programm. Tony Hoare erfand 1960 im Alter von 26 Jahren den Quicksort — einen so eleganten Algorithmus, dass er heute noch zu den weltweit am haeufigsten verwendeten gehoert. Doch wenn ein Mensch Gegenstaende nach Preis ordnet, verwendet er keinen dieser formalen Algorithmen. Das Gehirn arbeitet mit ungefaehren Vergleichen und mentalem "Insertion Sort", bei dem jedes neue Element in eine bestehende geordnete Liste eingefuegt wird — eine Methode, die John Mauchly in den 1940er Jahren formalisierte.
Die Arbeiten von Daniel Kahneman und Amos Tversky, die 2002 mit dem Nobelpreis fuer Wirtschaftswissenschaften ausgezeichnet wurden, deckten die kognitiven Verzerrungen auf, die unsere Preisschaetzung verfaelschen. Der Ankereffekt, beschrieben in ihrem bahnbrechenden Artikel von 1974 in Science, bedeutet, dass der erste gesehene Preis alle nachfolgenden Schaetzungen beeinflusst. Der Besitztumseffekt, identifiziert von Richard Thaler (Nobelpreis 2017), fuehrt dazu, dass wir Gegenstaende, die wir besitzen, ueberbewerten. Der Psychologe George Miller zeigte 1956, dass unser Arbeitsgedaechtnis nur etwa 7 Elemente verarbeiten kann — weshalb das Ordnen von 4 Gegenstaenden einfach erscheint, aber bei 6 die Schwierigkeit dramatisch zunimmt.
Im digitalen Zeitalter erleben Preisschaetzungsspiele eine spektakulaere Renaissance. The Higher Lower Game, entwickelt vom britischen Entwickler Jack Sheridan im Jahr 2016, ueberschritt die Marke von 100 Millionen gespielten Partien. Auf TikTok haben "Rate den Preis"-Videos Milliarden von Aufrufen angesammelt. Der weltweite Markt fuer Quiz- und Trivia-Spiele, einschliesslich Schaetzspiele, hatte 2024 einen Wert von 8,3 Milliarden Dollar. E-Commerce-Apps wie Amazon verwenden Preissortieralgorithmen taeglich milliardenfach, waehrend Forscher am MIT und in Stanford Modelle zur "Preiskognition" entwickeln, um zu verstehen, wie das menschliche Gehirn intuitiv Preise bewertet.