Keno hat seine Wurzeln im antiken China, in der Han-Dynastie (206 v. Chr. – 220 n. Chr.). Die Überlieferung schreibt seine Erfindung Cheung Leung zu, einem General, der um 200 v. Chr. dieses Lotteriespiel erfunden haben soll, um die Verteidigung seiner belagerten Stadt zu finanzieren, ohne neue Steuern zu erheben. Das ursprüngliche Spiel, genannt „baige piao" (白鸽票, „Brieftauben-Los"), verwendete die ersten 120 Zeichen des Qianziwen (千字文), des berühmten „Gedichts der Tausend Zeichen", das in der Liang-Dynastie im 6. Jahrhundert verfasst wurde. Die Ergebnisse der Ziehungen wurden von den Großstädten in die entlegenen Dörfer per Brieftaube übermittelt — daher der bildhafte Name des Spiels. Einige Historiker behaupten, die erzielten Einnahmen hätten zur Finanzierung des Baus der Chinesischen Mauer beigetragen, obwohl diese Behauptung unter Sinologen umstritten bleibt.
Das baige piao blieb zwei Jahrtausende lang ein beliebtes Spiel in China und entwickelte sich über die Dynastien hinweg. Unter den Tang (618–907) waren kaiserliche Lotterien zur Finanzierung öffentlicher Bauwerke üblich. Unter den Qing (1644–1912) standardisierte sich das Spiel auf 80 Zeichen aus dem Qianziwen, wobei die Spieler in der Regel 10 auswählten. Macao, seit 1557 portugiesischer Handelsposten, wurde zu einem Schmelztiegel, an dem sich chinesische und europäische Spieltraditionen vermischten. Gouverneur Isidoro Francisco Guimarães genehmigte 1847 Lotterien und machte Macao zum ersten Gebiet, das das Glücksspiel in Ostasien legalisierte.
Im 19. Jahrhundert zog der Goldrausch in Kalifornien (1848–1855) Zehntausende chinesischer Arbeiter an. Sie brachten das baige piao mit, das von den Amerikanern schnell in „Chinese lottery" umbenannt wurde. Die 120 chinesischen Zeichen wurden durch 80 Zahlen ersetzt, um es für englischsprachige Spieler zugänglich zu machen. Das Wort „Keno" tauchte in den 1860er Jahren auf — seine Etymologie ist umstritten: Einige Linguisten leiten es vom französischen „quine" (fünf Gewinnzahlen im Lotto) ab, das von den französischsprachigen Siedlern in Louisiana stammt; andere vom lateinischen „quini" (je fünf). In Houston organisierte ein Betreiber namens Joe Lee ab 1866 tägliche Spiele in den Saloons von Chinatown.
Das moderne Keno wurde 1933 in Reno, Nevada, nach dem Ende der Prohibition und der Legalisierung des Glücksspiels geboren. Warren Nelson eröffnete die erste „Keno Lounge" im Palace Club und behielt das Format von 80 Zahlen mit 20 gezogenen bei — das Format, das noch heute gilt. 1951 führte die US-Regierung eine Steuer auf „Lotterien" ein; um ihr zu entgehen, tauften die Casinos das Spiel in „Horse Race Keno" um, indem sie jede Zahl einem fiktiven Pferd zuordneten. Die List war kurzlebig, aber der Begriff „Race" für eine Keno-Ziehung hat sich im Jargon der Casinos von Las Vegas bis heute erhalten. 1963 führte Joe Lyons vom Fremont Casino das erste elektronische Keno-System ein und ersetzte die traditionellen Holzkugeln durch einen mechanischen Zufallsgenerator.
Die Mathematik des Keno basiert auf der hypergeometrischen Kombinatorik. Bei 80 Zahlen und 20 gezogenen beträgt die Gesamtzahl der möglichen Kombinationen C(80,20) ≈ 3,5 × 10¹⁸ — mehr als 3,5 Milliarden Milliarden verschiedene Ziehungen. Die Wahrscheinlichkeit, 10 aus 10 Zahlen zu treffen, liegt bei etwa 1 zu 8,9 Millionen (exakte Formel: C(10,10)×C(70,10)/C(80,20)), vergleichbar mit dem deutschen Lotto. Der Mathematiker Joseph Mazur zeigte in seinem Buch „What's Luck Got to Do with It?" (2010), dass die erwartete Rendite beim Casino-Keno zwischen 65 % und 80 % des eingesetzten Betrags liegt — eine Auszahlungsquote (RTP), die zu den niedrigsten aller Casinospiele gehört, sogar niedriger als bei Spielautomaten (85–98 %).
Die Psychologie des Keno fasziniert Verhaltensforscher. Mark Griffiths, Professor an der Nottingham Trent University, zeigte 2005, dass Keno-Spieler einen „persönlichen Auswahlbias" aufweisen: 73 % glauben, dass ihre „Glückszahlen" eher gezogen werden als zufällige Zahlen. Die Kontrollillusion, beschrieben von Ellen Langer (Harvard, 1975), ist beim Keno besonders ausgeprägt, da der Spieler seine Zahlen aktiv auswählt, anders als bei einer passiven Lotterie. Die Arbeiten von Daniel Kahneman und Amos Tversky zur Verfügbarkeitsheuristik (1973) erklären zudem, warum Spieler ihre Chancen überschätzen: Die seltenen großen Gewinne werden breit publiziert, während die Millionen verlorener Lose unsichtbar bleiben.
In Frankreich führte die Française des Jeux (FDJ) am 25. September 1993 das Keno unter dem Namen „Keno Gagnant à Vie" (Keno Gewinner fürs Leben) ein. Das Konzept innovierte mit einer lebenslangen Rente von 5.000 € pro Monat statt eines einmaligen Jackpots. 2018 modernisierte die FDJ die Formel: Die Spieler wählen 2 bis 10 Zahlen aus 70 (statt zuvor 80), mit einer täglichen Ziehung um 13 und 21 Uhr. Der Höchstgewinn beträgt seither 2 Millionen Euro oder 20.000 € monatlich auf Lebenszeit. In den USA generiert Keno über 1,1 Milliarden Dollar Jahreseinnahmen in den Casinos von Nevada. In Australien wird „Keno Classic" live in über 3.000 Pubs und Clubs übertragen, mit einer Ziehung alle 3 Minuten — dem schnellsten Ziehungsrhythmus weltweit. Das digitale Keno, das mit den Online-Spielseiten in den 2000er Jahren aufkam, macht heute 35 % des weltweiten Keno-Marktes aus, der 2024 laut Grand View Research auf 4,2 Milliarden Dollar geschätzt wird.